Roger Cicero  - Glück ist leicht
Das Beste von 2006-2016
Letzte Studioaufnahme "Eine Nummer zu groß" ab sofort erhältlich.

Eine lange Nacht zu Ende, und ein neuer Tag fängt an
Das Gefühl, es gibt da Dinge, die man nicht erklären kann
Glück ist leicht

Es war eine ganz besondere Gabe, und sie zeigte sich, wann immer es um Musik ging. Im Kleinen, wenn Roger komplexe musikalische Zusammenhänge schnell in einfachen Worten fassbar machte; im Großen, als er einem ganzen Genre den Weg ebnete, aus der akademischen Nische heraus zurück auf die Unterhaltungsbühnen der Republik; und dort, auf der Bühne, brachte er mit seiner selbstvergessenen Leichtigkeit Virtuoses zu Gehör, improvisierte Scat-Soli, sprang von der Bruststimme ins Falsett und wieder zurück - atemberaubend, vor allem für sein Publikum. Roger hatte die Gabe, Schweres ganz leicht erscheinen lassen zu können.
Dieses besondere Talent war sein Glück, weil es ihn seine gesamte Karriere, fast sein gesamtes Leben hindurch trug - durch Clubs und Konzertarenen, zu wichtigen Stationen wie Montreux oder dem Eurovision Song Contest in Helsinki, zu Ausflügen ins Schauspiel- und Moderationsfach, zu einer Vielzahl von Auszeichnungen und Preisen. Vor allem aber war es wohl sein ganz persönliches Glück, weil es ihm ermöglichte, das zu leben, was er in seinem Selbstverständnis an aller erster Stelle war: Roger war Musiker.

Roger Cicero Glück ist leicht Das Beste von 2006-2016 Letzte Studioaufnahme Eine Nummer zu groß über Sony Music CD„Den Beruf Sänger gibt es nicht“, hatte Rogers Vater einmal zu ihm gesagt, „es gibt nur den Beruf Musiker. Ein Sänger ist ein Musiker, der singt. Aber als Erstes ist er Musiker.“ Es war ihm offenbar wichtig, seinem Sohn genau das mitzugeben, noch zu Schulzeiten, als Roger begann, von der großen Bühnenkarriere zu träumen. Und dieser Lehrsatz scheint schließlich auch Roger selbst sehr wichtig geworden zu sein. Er hat ihn viele Male zitiert, und das beschreibt sehr gut Rogers Einstellung zu seinem Beruf , seinen Antrieb, der ihn heraushob und einzig machte in der Schar vieler prominenter Kollegen. Während Andere von der Lust aufs große Rampenlicht auf die Bühne getrieben werden, vom Zeitgeist oder manchmal auch von einem fast schmerzhaften inneren Drang, sich mitzuteilen, währenddessen ging es Roger immer von Herzen um die Musik. Und Musik war für ihn nicht das Ergebnis von Leiden, sondern von Leidenschaft, keine Frage von Machbarkeit und Scheitern, sondern eine schier unendliche Spielwiese voller faszinierender Möglichkeiten, die er am liebsten Live und gemeinsam mit Band und Publikum erkundete. Das ganze Drumherum, der bunte Popzirkus mit seinen Zwängen und Erfordernissen dagegen war für ihn notwendiges, mitunter aber doch ziemlich anstrengendes Beiwerk.

Musiker, das war von Beginn an sein Plan A, und einen Plan B hat es nie gegeben. Auch wenn seine Eltern später versuchten, ihm Alternativen schmackhaft zu machen - sie selbst hatten Roger dieses Selbstverständnis buchstäblich an und in die Wiege gelegt. Bei Ciceros zu Hause gingen die Künstler ein und aus, Josephine Baker kümmerte sich liebevoll um den Kleinen, Caterina Valente nannte Roger lange seine Patentante - wenn auch fälschlicherweise, wie sich später herausstellte. Grund für dieses hohe Musikeraufkommen war Rogers Vater, der 1997 verstorbene Eugen Cicero.
In seiner Heimat Rumänien hatte Eugen früh als Wunderkind gegolten, später dann gar als talentiertester Jazz-Pianist des gesamten Ostblocks, bis er sich schließlich während einer Tournee nach Westberlin absetzte, um in der Folge an der Seite internationaler Größen wie Errol Garner und Stan Getz zu spielen.

In der Hoffnung, aus Roger einen kleinen Eugen machen zu können, verordneten die Eltern ihm im Alter von vier Jahren die ersten Klavierstunden. Doch die Hoffnung zerplatzte, Roger rebellierte erfolgreich, um wenige Jahre später dann seinen eigenen Weg zur Musik einzuschlagen: den über seine Stimme. Dieser Weg war nicht immer leicht, besonders die Tatsache, der Sohn von „Mr. Golden Hands“ zu sein, bedeutete für Roger lange Zeit Chance und Last zugleich. Der Name Cicero öffnete viele Türen: Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte Roger mit zwölf im Vorprogramm von Helen Vita, die erste TV-Show mit 16, er spielte, neben Auftritten mit seinem Vater, Konzerte mit der RIAS Big Band unter der Leitung von Horst Jankowski und wurde Ensemblemitglied in Peter Herbolzheimers BuJazzO. Doch wo immer er auftrat, er spürte die kritischen Augen und Ohren des Fachpublikums - und er konnte nie mit Sicherheit wissen, ob die zahlreichen Komplimente der Schulterklopfer auch wirklich ihm und seinem Können galten oder vielleicht doch nur seinem Nachnamen geschuldet waren. Als es Roger schließlich über Umwege zum Jazz-Studium nach Hilversum bei Amsterdam verschlug, spielte sein Name plötzlich keine Rolle mehr. Und diesen Umstand hat Roger immer wieder als sehr angenehm beschrieben. Als einen Glücksfall, der es ihm möglich machte, sich freizuschwimmen für jenes Leben, das nach dem Studium auf ihn wartete.
Roger unterrichtete, er arbeitete als musikalischer Leiter eines Nachtclubs an der Hamburger Reeperbahn, spielte Tourneen mit Formationen wie Soulounge oder Jazzkantine und verfolgte eigene Projekte, darunter sein Quartett After Hours und das Salonorchester Linden-Mitte, aus deren Künstler- und Freundeskreis schließlich auch seine Big Band hervorgehen sollte. Es war das typische, harte Brot des Musikerdaseins. Bisweilen beschwerlich, materiell eigentlich immer am Existenzminimum, über Jahre hinweg. Aber welcher Künstler kennt das nicht - es war der normale Gang der Dinge, und er half ihm, zu einem Künstler zu werden, der sich nicht nur in seinem Instrument, sondern in der Musik selbst zu Hause fühlte.

Roger Cicero Glück ist leicht Das Beste von 2006-2016 Letzte Studioaufnahme Eine Nummer zu groß über Sony Music CDSeit seinem Solo-Debüt „Männersachen“ 2006 war es dann vorbei mit dem harten Brot: Die Hits „Zieh die Schuh‘ aus“ und „Frauen regier‘n die Welt“ machten Roger schlagartig zum deutschen „Mr. Swing.“ Was war das für eine Welle der Euphorie in Rogers Umfeld, als man realisierte, dass es wirklich aufgegangen war, dieses Wagnis „Big Band-Swing in deutscher Sprache“! Diese anscheinend überall in Windeseile um sich greifende, ungläubige Begeisterung über seinen Husarenstreich von Album, über die Unverfrorenheit der Texte, die Coolness der Musik und die Lässigkeit der Darbietung - Roger Cicero elektrisierte den Mainstream. Und zugleich erntete er selbst in Kreisen orthodoxer Jazzer neidlose Anerkennung, mit seiner Mischung aus Humor und Können, vielleicht auch mit seiner längst nicht jedem Musiker eigenen Größe, das eigene Talent nicht so wichtig zu nehmen. „Wahrscheinlich hat niemand in Deutschland mehr für die Verbreitung Jazz-affiner Musik bewirkt als Roger Cicero“, konstatierte die Süddeutsche Zeitung posthum, und die neuaufgelegten Alben seines Vaters erscheinen längst mit dem Hinweis, „Der Vater von.

Roger hatte kein Problem mit den Einteilungen „Swing“ und „Jazz“, aber er hätte sie selbst vermutlich so nicht vorgenommen, Kategorisierungen und Schubladendenken sind ihm immer fremd geblieben. Das war sicher auch ein gutteil Erbe seines Vaters, der die musikalische Grenzgängerei zwischen Klassik und Jazz zum Programm erhoben und unter anderem mit seinem Album „Rokoko-Jazz“ einen weltweiten Million-Seller gelandet hatte. Wie seinem Vater ging es auch Roger um das Innerste, das Ureigene der jeweiligen Musik, um das, was unabhängig vom offiziellen Genre den ganz speziellen Reiz eines Songs oder Künstlers ausmacht: Er bewunderte die Beatles für ihren endlosen Reichtum an Melodien, Stevie Wonder für die Naturgewalt seiner Musik, an Prince das Genie, an Al Green die Hingabe, Nick Drake für seine melancholische Tiefe und Frank Sinatra, dem Roger schließlich sein letztes Album widmete, für seine stimmliche Perfektion.

Insbesondere der Jazz schien für ihn weniger ein festes Genre als vielmehr ein Geist, eine Haltung zu sein, jedenfalls beschrieb er das Wesen des Jazz immer vor allem als eine Art, mit Musik umzugehen: sie auseinanderzunehmen, ihren emotionalen Kern freizulegen, um sie anschließend mit eigenen Mitteln wieder neu zusammenzusetzen - ganz egal, welches musikalische Etikett man dem Ergebnis schließlich aufkleben würde. Dieses Spiel betrieb Roger immer wieder, etwa gemeinsam mit seinen prominenten Mitstreitern in der Debüt-Staffel von „Sing meinen Song - das Tauschkonzert“, und diese Lust an den Möglichkeiten der Musik war es auch, die ihn nicht nur in diesem TV-Format, sondern seine gesamte Karriere hindurch mit Künstlern der verschiedensten Genres zusammenarbeiten ließ. Das hörbare Dokument dieser Spielfreude sind Rogers zahlreiche Interpretationen und Bearbeitungen bekannter Songs aus allen Himmelsrichtungen der Musikwelt, von Jean „Toots“ Thielemans über Rio Reiser bis zu den Fanta Vier; kleinen musikalischen Perlen, die fester Bestandteil jedes seiner Live-Programme waren.

Wie auf seinem Debüt „Männersachen“, so stand auch auf dessen Nachfolger „beziehungsweise“ der Image-prägende, ironisch-lässige Swing im Vordergrund. Dennoch ließ Roger auf beiden Alben auch Raum für andere Klänge, etwa für die Latin-Nummer „Wenn sie dich fragt“, für Balladeskes wie „Ich atme ein“ oder auch für den sehr persönlichen Titel „Ich hätt‘ so gern noch Tschüss gesagt“, einen gesungenen Nachruf auf seinen Vater. Mit jedem seiner folgenden Alben zeigte Roger weitere Facetten seines musikalischen Vermögens, Ton um Ton und Stück für Stück. Vor allem seine souligen Wurzeln kehrte er stärker heraus, etwa mit den Songs „Nicht artgerecht“ und „Spontis zeugen Banker“. Und genau wie seine Musik, ließen auch die Inhalte seiner Songs immer mehr von der Person hinter dem starken, vordergründigen Bild erkennen, von Rogers wachem Geist, seiner Offenheit für die kleinen und großen Fragen des Lebens, die Fragen nach dem Gestern, dem Morgen und vor allem dem Jetzt. Exemplarisch dafür steht ganz sicher „In diesem Moment“: Nach einer kleinen Schaffenspause war dieser Song die erste Single aus Rogers gleichnamigem Album, und auf ihr war nicht mehr nur der technisch brillante Jazz-Vocalist zu hören, sondern der gereifte, sich selbst reflektierende Künstler, als den man Roger aus persönlichen Gesprächen schon lange kannte. Dem Titel „Mr. Swing“ war er da längst entwachsen, aber, auch das war ihm wichtig, ohne ihn zu negieren.

Sein fünftes, sicherlich persönlichstes Studio-Album „Was immer auch kommt“ ist ein klingendes Zeugnis dieser Entwicklung. Ein lebensphilosophischer, zuweilen melancholischer, trotzdem aber positiver Blick nach vorn, immer im klaren Bewusstsein dessen, was hinter einem liegt:

Was kommt am Ende der Straße
Auf der ich grad rase
Am Ende der Pläne
Trophäen und Probleme

...
Was immer auch kommt
Es kommt mir entgegen
Inmitten des Dschungels
Aus Mitteln und Wegen

Es sollte ein weiterer Aufbruch sein, es ist sein Vermächtnis geworden. Ein Album, das viel von Rogers Einstellung zum Leben und zur Musik offenbart. Und, damit untrennbar verbunden, zu seiner Sicht auf das Glück, die nun ganz bewusst den Titel dieses Albums ziert:
„Glück ist leicht, aber nur schwer zu fassen“, sagte Roger einmal in einem Gespräch, „Glück ist ein Gefühl, das sich nicht künstlich erzeugen lässt, es kommt ungeplant, unkontrollierbar. Und es entsteht in Momenten, die man nur wahrnehmen kann, wenn man Platz für Intuition lässt, es schafft, sich freizumachen und auf ebendiesen Moment einzulassen.

Roger hat viele solcher Momente geschaffen. Mit federnder Leichtigkeit, aus Freude an dem was er tat. Und zum Glück aller, die dabei sein durften.
- Nils Jung

Roger Cicero
Glück ist leicht
Das Beste von 2006-2016" & Letzte Studioaufnahme "Eine Nummer zu groß" ab sofort erhältlich | VÖ: 17.03.17 - networking Media
Audio CD (17. März 2017)
Anzahl Disks/Tonträger: 1
Label: Rca Deutschland (Sony Music)

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