© Archiv Kölsche Funke Rut-Wiess vun 1823 e.V./ Michael LacklerNeue Ausstellung in Bonn
Mein Verein
„Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verein“: Dieser geläufige Witz bezieht sich auf eine Institution, die in ihrer Geschichte immer mit Spott zu kämpfen hatte.

Laufzeit: 06.09.2017 - 04.03.2018



(c)Haus der Geschichte, Bonn - Mein VereinDennoch erfreut sie sich nach wie vor großer Beliebtheit: Über 600.000 Vereine gibt es in Deutschland, rund 44% der Deutschen sind Mitglied in mindestens einem Verein. In jüngster Zeit zeichnet sich ein Strukturwandel ab: Traditionelle, „geselligkeitsorientierte“ Vereine rücken in den Hintergrund, während bei den Neugründungen das bürgerliche Engagement z.B. für Bildung eine zentrale Rolle spielt.

Das Haus der Geschichte in Bonn widmet sich in seiner neuen Wechselausstellung „Mein Verein“ vom  6. September 2017 bis 4. März 2018 mit rund 300 Objekten und mehr als 20 Medienstationen diesem Phänomen. Zu sehen sind u.a. der Vereinsbaum der westfälischen Gemeinde Siddinghausen, der mit seinen 14 Wappenschildern die Lebendigkeit und Vielfalt des Vereinswesens anschaulich macht, der „Knappenbrief“ von Willi Koslowski, ehemaliger Stürmer von Schalke 04, oder das Modell eines DDR-Kleingartens.

Die Ausstellung zeigt den Verein als Ort von Geselligkeit und Gemeinschaft, Tradition und Heimatverbundenheit, der Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus zusammenführt. Das politisch-gesellschaftliche Engagement der Vereine, die einen großen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt leisten, bleibt ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft.

Geselligkeit und Gemeinschaft
Schützenvereine gibt es in ihrer heutigen Form seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie begreifen sich als Traditionswahrer und Pfleger heimatlichen Brauchtums. An vielen Orten prägen sie das gesellschaftliche Leben wesentlich mit. Heute müssen sie sich einer Debatte um das zeitgemäße Verständnis ihrer Traditionen stellen. Die identitätsstiftende Rolle von Vereinen belegen eindrucksvoll die Kölner Karnevalsgesellschaften. Mit ihren Ritualen setzen sie das Lebensgefühl der Domstadt an den „tollen Tagen“ wirksam in Szene. Eine emotionsgeladene Beziehung zu ihrem Verein pflegen Fans des FC Schalke 04. Für sie und andere Fans ist der Fußballclub ein zentraler Teil ihres Lebens.

Fremdkörper
In der DDR sind SED-gelenkte Massenorganisationen Träger des sozialen Lebens. Wenige „Vereinigungen“ können dennoch ein begrenztes Eigenleben führen, so vor allem Kleingärtner, die das SED-Regime ab den 1970er Jahren zur Linderung von Versorgungsmängeln sogar gezielt fördert. Meist zerstört die deutsche Teilung alle Bande zwischen Vereinsmitgliedern aus Ost und West. Nicht so bei der Neuen Bachgesellschaft, die bis 1989 die Funktion einer deutsch-deutschen Klammer erfüllt und auf ihren Veranstaltungen die Begegnung von Menschen aus beiden Teilen Deutschlands ermöglicht.

Mitwirkung und Mitverantwortung
Heute erleben projektbezogene Fördervereine einen Gründungsboom. Zu ihnen gehört die Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche. „Tafeln“, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen, übernehmen Aufgaben der Daseinsvorsorge. An ihnen entzündet sich eine Kontroverse über die Rolle, die private Vereine im Spannungsfeld zu öffentlichen Aufgaben sinnvoll erfüllen können.

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Mitgliederzahlen der Vereine wachsen. Allerdings gehen die Zahlen von traditionellen Vereinen, vor allem in ländlichen Regionen, laut einer Studie des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft langsam zurück. Vor allem in den Städten werden zunehmend Vereine gegründet, die sich z.B. im Rahmen von Fördervereinen dem Thema Bildung widmen.

Mein Verein
6. September 2017–4. März 2018
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Öffnungszeiten: Di–Fr 9–19 Uhr, Sa/So/Feiertage 10–18 Uhr
Eintritt frei

 

Foto oben :

„Stippeföttche“ heißt der Tanz der „Kölsche(n) Funke rut-wieß vun 1823“. Der älteste Kölner Karnevalsverein parodiert damit das militärische Ritual des Exerzierens.
© Archiv Kölsche Funke Rut-Wiess vun 1823 e.V./ Michael Lackler






































































































































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