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Ausstelung Kunstmusuem Krefeld - Julius Popp |
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Julius Popp Tranposition
Adolf Luther. Kunst, Wissenschaft, Technik
Der in Leipzig lebende Künstler Julius Popp erhält den siebten Kunstpreis der in Krefeld ansässigen Adolf-Luther-Stiftung.
Laufzeit: 13.06.2010 - 19.09.2010 |
TRANSPOSITIO
Der mit 5000 Euro und einem Ankauf dotierte Kunstpreis der Adolf-Luther-Stiftung geht in diesem Jahr an den 1973 in Nürnberg geborenen und heute in Leipzig lebenden Künstler Julius Popp. Julius Popp studierte von 1998 bis 2005 an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst und war Meisterschüler von Astrid Klein. Nach den Preisträgern Andreas Slominski (1994), Michel Verjux (1996), Bethan Huws (1998), Stephen Craig (2002), Martin Boyce (2004) und Katja Strunz (2006) wird 2010 mit Julius Popp ein Künstler ausgezeichnet, der sich in seinem Werk mit Erscheinungsweisen der digitalen Kultur auseinandersetzt und dabei künstlerische und wissenschaftliche Vorgehensweisen in einer Synthese zusammenführt.
In der Begründung der Adolf-Luther-Stiftung für die Preisvergabe an den Künstler heißt es: „Der durch die neuen Informationstechnologien bewirkte Wandel in Kultur, Gesellschaft und menschlichem Verhalten ist ein zentrales Thema der Arbeiten von Julius Popp. Seine großen, raumgreifenden Installationen aus natürlichen Elementen wie Wasser, Licht und Bewegung zeigen Facetten des Umgangs mit Informationen und Nachrichten und den ihnen zugrunde liegenden Strukturen. In Popps Werk vereinen sich experimentelles künstlerisches Denken und Handeln und kritisches Hinterfragen unserer digitalen Kultur auf überzeugend sinnliche Weise mit dem ästhetischen Modell der Kunst.“

Bild: Julius Popp
BIT.CODE, 2009 Untersuchung von Mustern und Darstellungssystemen
Energieketten, Motoren, Elektronik © Julius Popp Courtesy Dogenhaus Galerie, Leipzig Installationsansicht
Seinen internationalen künstlerischen Durchbruch hatte Julius Popp mit der Installation bit-fall (2001/2006), einem Wasserfall, der Buchstaben und Wörter visuell erzeugt. Die Arbeit ist seit 2006 durch die Präsentation der art unlimited auf der Art Basel einem internationalen Publikum bekannt und seitdem in vielen internationalen Ausstellungen – zuletzt 2009 auf der Moscow Biennale – gezeigt worden. In der Krefelder Schau im Museum Haus Lange, die als eine Überblicksausstellung mit wichtigen Arbeiten von Julius Popp aus der bit series, der micro series und der macro series sowie neuen Arbeiten wie Untitled (2010) aus der bit series konzipiert ist, wird sie in einem Video dokumentiert.
Mithilfe eines Computerprogramms, das auf einem statistischen Algorithmus basiert, werden in bit-fall aktuelle Begriffe aus dem online zugeschalteten Internet in Sequenzen von Wassertropfen übersetzt. Das amorphe Medium Wasser wird zum Träger kultureller Informationen, die nur für einen Bruchteil von Sekunden erkennbar sind und sich danach wieder auflösen. bit-fall ist eine Metapher für die Geschwindigkeit des heutigen Informationsflusses und die permanenten Veränderbarkeit von Wissen und Information.

Bild: Julius Popp
BIT.STRING, 2007 Untersuchung zur räumlichen Darstellung von Gedankengängen Durchmesser 5,0 cm, Länge variabel, Aluminium
© Julius Popp Courtesy Dogenhaus Galerie, Leipzig
Das Internet speichert Nachrichten und Begriffe und spuckt sie in millionenfachen Kombinationen wieder aus. Für diesen Prozess digitaler Vernetzung, der sich zwischen Auflösung und Formierung bewegt, findet Julius Popp wahrnehmbare Formen und Bilder in der analogen Welt der Kunst. In seiner neuesten Arbeit aus der bit series (Untitled, 2010) wird untersucht, wie sich Information im Raum ausbreitet. Eine Maschine wirft Hunderte von Tischtennisbällen als bits, die kleinste Einheit kodierter Information, in den Raum, wo sie sich unkontrolliert verteilen. Die anfangs als Wörter lesbaren Tischtennisball-Formationen breiten sich chaotisch im Raum aus. Der Besucher soll die zerstreute Information wieder aufsammeln, um so den kontinuierlichen Datenfluss aufrechtzuerhalten.
Auch in der Installation micro-perpendiculars (2008–2011) wird der Betrachter einbezogen in ein interaktives Spiel beweglicher Formen. Die Arbeit besteht aus einer Reihe von Kapseln, in die Prozessoren eingebaut sind, die auf diverse Umwelteinflüsse reagieren: Luftströme, Bewegungen von Menschen im Raum sowie die Bewegung anderer Kapseln. Auf diese Weise entsteht ein flexibles System aus fortwährender Reaktion, Kommunikation und Anpassung. Die zu Forschungszwecken entwickelte Arbeit wird in Krefeld als Work-in-Progress
gezeigt.
Julius Popp beschäftigt sich mit der elementaren Gegenwärtigkeit digitaler Informationskultur und ihrer Aktualisierung in Bezug auf den Menschen. „Ich untersuche in meiner Arbeit die Unschärfe des Menschseins. Menschsein ist ein Prozess, der sich permanent verändert, anpasst und neu ausrichtet. Kultur verändert sich die ganze Zeit. Meine Installationen sind Bilder, mit denen die der Kultur zugrunde liegenden Strukturen langsam sichtbar werden.“
Zur Ausstellung entsteht ein Katalog.
ADOLF LUTHER. Kunst, Wissenschaft, Technik
In Ergänzung zur Ausstellung ihres Kunstpreisträgers Julius Popp und aus Anlass ihres zwanzigjährigen Bestehens zeigt die Adolf-Luther-Stiftung im Obergeschoss von Haus Lange ausgewählte Werke des Krefelder Lichtkünstlers Adolf Luther (1912 –1990).
Von den deutschen Künstlern, die zu Beginn der 1960er Jahre Abschied vom Tafelbild genommen haben, war Adolf Luther einer der konsequentesten. Glas, Metalle, Spiegel, Linsen, Laser und Rauch gehörten gleichermaßen zu den Mitteln seiner Kunst, mit denen er die radikale Abkehr vom gemalten Bild realisierte. Luthers Lichtkunst war eine Reaktion auf die Krise des Bildes; auf das Wirklichkeitsbild, das durch die Technik und wissenschaftliche Erneuerungen ins Wanken geraten war. „Ich meine […] nicht das farbenerzeugende Licht, sondern das Licht, wenn es noch Energie ist“, so hat der Künstler einst präzisiert. Gestützt auf die Lichttheorie von Planck und Einstein, die besagt, dass Licht sich als Korpuskel wie auch als Welle durch den Raum bewegt, wollte Luther den energetischen Wirklichkeitsbereich für die Kunst erschließen. Bereits in den 1960er Jahren entwickelte Luther seine Installationen aus Hohlspiegeln, Lasern und Prismen im Dialog mit Wissenschaftlern, Technikern und Ingenieuren der Industrie und überschritt damit früh die engen Grenzen der künstlerischen
Disziplin.

Bild: Adolf Luther
Fokusierender Raum, 1968 Sich drehende Hohlspiegel, Projektoren, Rauch, Dimensionen variabel Sammlung Adolf Luther Stiftung, Krefeld
© VG-Bild Kunst, Bonn 2009
Die Krefelder Ausstellung im Museum Haus Lange betont die wissenschaftliche Vorgehensweise des Künstlers und zeigt die bekannten Lichtobjekte und Rauminstallationen Luthers im Zusammenhang mit Entwurfszeichnungen, Diagrammen, Zitaten und Briefen.
Neben den klassischen Lichtobjekten aus konkav gewölbten Hohlspiegeln, die durch Spiegelung eine lichthafte, in den Realraum ausgreifende Phänomenalität vor den Objekten erzeugen, werden Rauminstallationen gezeigt, in denen Rauch zu einem Medium des Lichts wird.
In dem abgedunkelten Focussierenden Raum (1968) liegen einundvierzig Hohlspiegel auf dem Boden, die von Scheinwerfern an der Decke angestrahlt werden. In dem Moment, da Rauch in die Lichtkegel dringt, werden die Brennpunkte sichtbar. „Es entsteht die energetische Plastik. Sie ist ein ätherisches Gebilde der Veränderlichund der Vergänglichkeit.“ (Adolf Luther)
Im Laser-Raum (1970) trifft ein Laserstrahl auf eine sich langsam drehende Plexiglasscheibe, die mit einem Flachspiegel verbunden ist, und löst sich in linienförmige Strahlen auf, die den Raum plastisch artikulieren. Rauch lässt den Laser rubinrot aufglühen.
In dem Mondprojekt Festival 2000 (1976) hat Luther die Idee des lichterfüllten Raumes auf den Kosmos erweitert. Dieses Projekt war für die Jahrtausendwende konzipiert: eine kosmische Installation, die vorsah, mittels Spiegelsatelliten auf die dunkle Seite des Mondes einen Lichtpunkt zu setzen, sichtbar für die ganze Welt. Luther stand in engem Kontakt zu Wernher von Braun und Wissenschaftlern der NASA, die ihm bestätigten, dass sein utopischer Entwurf durchaus realisierbar sei. Die Vorbereitungen für ein geplantes grandioses Festival 2000 wurden jedoch aufgrund des enormen finanziellen Aufwands nach einigen Jahren eingestellt. Dieses Projekt wie auch die Installationen sind im Obergeschoss vom Museum Haus Lange nun wieder zu erleben.
ADOLF-LUTHER-STIFTUNG
Dr. Magdalena Broska
Wissenschaftliche Leiterin
Viktoriastraße 112
47799 Krefeld
T +49 (0)2151 27913
www.adolf-luther-stiftung.com
KUNSTMUSEEN KREFELD
Administration
Karlsplatz 35, 47798 Krefeld
T +49 (0)2151 97558 0
F +49 (0)2151 97558 222
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, www.kunstmuseenkrefeld.de
BESUCHERADRESSEN
Kaiser Wilhelm Museum (wegen Renovierung geschlossen)
Museen Haus Lange und Haus Esters, Wilhelmshofallee 91–97, 47800 Krefeld
ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Montag geschlossen
Die Museen Haus Lange und Haus Esters sind nur bei Ausstellungen geöffnet.
Quelle und Fotos: Kunstmuseen Krefeld
Kleines Bild oben
Julius Popp
MIRCO.PERPENDICULARS, 2008 - 2010
Work in Progess
Untersuchung zu Anpassungsprozessen, Indivduum und Gruppe
Foto: Jochen Hempel
Courtesy Dogenhaus Galerie
Installationsansicht mit Künstler
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