|
Das Museum Küppersmühle präsentiert unter dem Titel „Mapping the Region – Olaf Metzel. Noch Fragen?“ einen der wichtigsten deutschen Bildhauer der Gegenwart.
Präsentation im Museum Küppersmühle
Für seine Werkschau im Museum Küppersmühle wird Olaf Metzel (*1951 in Berlin) zehn Rauminstallationen gestalten. Vier neue Arbeiten sind eigens für die Ausstellung entstanden: „Schicht im Schacht. Turm für uisburg“, „Wandzeitung“, „Modell Rauchglas“ und „ichhasseschule“. Kurator der Ausstellung ist Matthias Winzen.
„Mapping the Region“ und die Begegnung mit Duisburg
Das Projekt „Mapping the Region“ betrachtet Städte und Landschaften des Ruhrgebiets nicht nur als topografische bzw. geografische, sondern auch als semiotische Räume. Metzel greift diesen Gedanken auf und deutet mit seinen Arbeiten den physikalischen, urbanen, sozialen und musealen Raum künstlerisch aus. Mit ihren alltagweltlichen Motiven – Stehtische aus dem Imbiss oder sportliche Schlaggeräte zum möglicherweise gewaltsamen Gebrauch („Noch Fragen?“) – aktivieren Metzels skulpturale Räume im Betrachter psychische und diskursive Vorstellungsräume.
Als Metapher steht „Mapping the Region“ für die künstlerische Auseinandersetzung mit regionaler Gegenwart, im MKM konkret für Olaf Metzels Begegnung mit Duisburg. Wie das kartografische Vermessen von Landschaftsraum benötigt „Mapping“ – übertragen auf die künstlerische Recherche – Messinstrumente und Anhaltspunkte, um Stadtraum, also die
vielfältigen sozialen, gesellschaftlichen, semiotischen und diskursiven Räume urbaner Wirklichkeit auszuloten. Olaf Metzels „Kartenmaterial“ für Duisburg besteht aus drei regionalen Tageszeitungen. Das vermessene „Gelände“ – Alltag, Öffentlichkeit und veröffentlichte Meinung in Duisburg – umfasst in Metzels Interpretation die thematischen Felder Sport, Bildung, (unfreiwillige) Freizeit, Religion, Integration, postindustrielle Erneuerung, Alltagskultur und -geschmack. Für die Ausstellung im MKM hat Olaf Metzel vier neue Arbeiten als Reaktion und Resultat seiner Duisburg-Recherche entwickelt.
Neben den neuen Arbeiten benötigt Olaf Metzels „Mapping“ auch Vermessungsinstrumente, im übertragenen Sinne, also Mess- und Prüfsteine, durch deren Maßstäblichkeit eine gegebene regionale Struktur abbildbar und sichtbar wird. Was in der Landvermessung Stativ, Lot, Distanzer, Taxchymeter oder Gravimeter sind, leistet im MKM eine komplexe Auswahl von Metzels Werken aus den letzten Jahren, die allesamt auf Duisburg kalibriert sind.
|
Der Künstler und seine Methode
Metzels künstlerische Verfahrensweise, seine „performative Skulptur“ als intensive Bezugnahme nicht nur auf physikalisch-architektonischen Raum, sondern den sozialen und diskursiven Raum, stellt eine hochreflektierte und zugleich bildhauerisch konkrete Antwort auf die Herausforderung dar, regionale Räume nicht nur als kartografierte Geografie, sondern als lebensweltliches Geflecht lebendiger sozialer, historischer und individueller
Bedeutungen und Identitäten „lesbar“ zu machen. „Performative Skulptur“ heißt, Bildhauerei bleibt nicht bei sich, sondern führt etwas vor Augen. Bei Metzel ist Produktion Provokation, also Hervorrufen von Bewusstsein über die Arten von Raum, in denen sich der Betrachter befindet. Und umgekehrt bleibt seine Provokation stets künstlerische Produktion, weil die verschiedenen öffentlichen und sozialen Bezugspunkte in seinen Werken nie thesenartig,
sondern in präzisen bildnerischen Formulierungen aufgerufen werden.
Olaf Metzels vielgestaltiges Schaffen umfasst viel beachtete Großskulpturen im öffentlichen Raum und bildhauerische Denkstücke in kleinem Format, kraftvolle Zeichnungen und subtile Reliefs, Porträtköpfe und installative Interventionen. Werke des documenta-Teilnehmers sind seit den frühen 1980er Jahren in großen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und von bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen erworben worden. Der Bildhauer positioniert sein Schaffen in die öffentliche Diskussion als dem natürlichen Lebensraum heutiger Kunst. |