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Ja, so könnte es kommen: Weltwirtschaftskrise, gedrosselte Produktionen, Firmenzusammenbrüche, anhaltende Kreditklemme und wieder einmal mehr Arbeitslose. Selbst die von Investoren beherrschten Clubs der englischen Premier League bekommen die neue Situation mit voller Wucht zu spüren. Viele stimmen da den Blues an.
Und verstehen etwas ganz grundlegend falsch. Denn der Blues ist nicht nur Klagelied, nicht nur Heulen und Zähneklappern, nicht nur chronisches Nichtweiterwissen. Der Blues ist vor allem eine Haltung.
Blues heißt auch: Die Situation präzise zu analysieren. Kraft zu sammeln, Seelenfrieden zu finden. Sich gegen Demütigungen zu Wehr setzen. Und aufgeschlossen und durchaus fröhlich nach vorn zu schreiten.
So sieht es auch der Hamburger Musik-Produzent Krisz Kreuzer. Seit seiner Jugend liebt er den Blues, spielte auch Harmonika in diversen Bands. Inzwischen ist der 46jährige zwar Co-Besitzer der Musikproduktionsfirma "Bass" die u. a. Commercials produziert und Heinz Strunk zu ihren Kunden zählt, doch die Liebe zum Blues ist geblieben.
Mit jenen Nachlassverwaltern aber, die noch heute auf Stadtteilfesten "Ten Years After" niederknüppeln, hat Kreuzer wenig im Sinn. Um seine Vorstellung eines modernen urbanen Blues zu realisieren, gründete er 2005 Brixton boogie. "Ich spielte meinem Studiopartner damals zufällig ein paar alte Blues-Vinyle vor, die alle Plünderungen meiner Plattensammlung überstanden hatten. Das war, als ob plötzlich uralte Freunde aufgetaucht wären."
In derselben Sekunde entstand die Idee: Man behält die tiefe musikalische Kraft des Blues, paart sie behutsam mit zeitgenössischen Klängen – und transformiert sie so zu etwas Neuem. Zu modernem, jetzigem urbanen Blues. Das klingt einfach – und ist wie alles Einfache verflucht schwer.
Denn das Kollektiv schraubt nicht einfach Beats unter Samples. Sondern besinnt sich auf die Tiefe und Spiritualität einer uralten Tradition.
Ruhig, ohne äußeren Druck entwickelte Kreuzer verschiedene Songs und suchte Mitstreiter, die wie er Genre-Grenzen nicht akzeptierten. Zu ihnen gehören Masha, die ihre Breitband-Stimme auch im Electro-Bereich erklingen lässt, die im Schwarzwald geborene und in Kamerun aufgewachsene Pastoren-Tochter Nataly Dorra oder der 65jährige Soulsänger Wayne Martin aus New Orleans. "Wenn er mehr als einen Take wiederholen sollte, beschimpfte er mich als motherfuckin’ slavedriver", erzählt Kreuzer "Alter, sagte ich dann, was willst du? Ich bin weiß."
"URBAN BLUES" heißt das Album von BRIXTONBOOGIE
Es enthält 13 Songs. "Grinnin’ In Ya Face" etwa ist so trocken und selbstbewusst, dass es dem Stück nichts anhaben kann, wenn es aus Cabrios bollert. Das hymnische "Nobody But You" gleicht dem Funk-Appeal dem Blitzeinschlag der wahren Liebe. Der Ragga-Blues Stomper "By Myself" versteht sich als Manifest des Individuums - was auch bedeutet, dass man wieder alles selber machen muss, wenn es gut werden soll. Gut beraten der, der dann eine Gitarre und ein Flaschenhals dabei hat.
"If I..." ist Pop pur, bleibt dabei aber eckig und eigen. Bittet im tiefsinnigen Text um himmlischen Beistand, wenn man sich schon all seinen Ängsten und Widersprüchen stellt. "Left Hand Blues" veredelt mit der Harmonika über dem Vor-zurück-vor-zurück schlurfenden Beat jedes Beach-Resort. "Hobo Travellin`" geht auf Reisen, lässt die Eisenbahnschwellen spürbar werden und das Cinemascope-Gefühl des Aufbruchs. "Beautiful City" Ein Mann schlendert beschwingt durch die Straßen und er hat ein Lächeln auf den Lippen. Weil: er ist verliebt. Entsprechend entspannt ist auch die Musik. Man möchte anfangen zu tanzen. Und ab und an greift er auch zu seiner Mundharmonika und jubiliert in einem Park voller Bäume, Brunnen und junger Mütter. "The Way You Treat Love" belegt mit fetten Bläsern und satten Streichern, dass der Blues gern klagen darf – klagen wie in anklagen. "Policy Of Truth" hätten Depeche Mode wohl gern selbst so hinbekommen, in diesem sparsamen Swamp-Stil. "Fisherman`s Chant", eigentlich ein Reggae Traditional, erscheint hier im leuchtenden Gewand eines Gospels, der harter Arbeit die nötige Gerechtigkeit widerfahren lassen. "Hey Hey" führt uns in die sechziger Jahre, zu Dusty Springfield, zum Label Chess Records, zu dem Optimismus und der Vitalität einer Epoche, in der alles möglich schien. Die aktuelle Erinnerung an eine Haltung, die wir heute gut gebrauchen können. "Coming Home" ist der ruhige Schlusspunkt. Nach getaner Arbeit sind die Knochen müde, schon klar, aber dies ist nicht das Ende. Als kraftvoller Delta-Blues erzählt eine hochemotionale Stimme, unterstützt von schleppenden Beats und rhythmischen Klatschern, von ihrem Weg heim. Hin zu geliebten Frau. Oder zu Gott. Wo ist da schon der Unterschied.
"Urban Blues" belegt: Den Blues spürt man, wenn man unten ist. Das Album belegt aber auch: Der Blues hilft einem, wieder hoch zu kommen. "Urban Blues" - ist so ein Einpeitscher. Ein Kraftspender. Ein Mutmacher.
Blues you can use.
Hörprobe Youtube hier...
Artist-Homepage: www.brixtonboogie.com
mySpace.com-Profil: www.myspace.com/brixtonboogie
Label-Homepage: www.ferryhouse.net
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